East meets West

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Der Vortrag schlug einen weiten Bogen von der von Missverständnissen und falschen Erwartungen geprägten Begegnung zwischen der dominanten deutschen Philosophie des 19. Jahrhunderts und der konfuzianischen Tradition bis zum Diskurs um Theorie und Praxis der Menschenrechte in der Gegenwart. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Frage, ob die Menschenrechte Ausdruck hegemonialer Ansprüche des «Westens» seien oder ob ihnen Grundlagen aus der chinesischen Tradition zugeordnet werden könnten.
Bedeutsame Argumentationspunkte für eine auch auf konfuzianischen Ressourcen beruhende Theorie der Menschenwürde fanden sich in der Ethik von Menzius. Diese liess im relationalen Gesellschaftsgefüge Grundlagen der Moral erkennen, die in der Natur begründet waren und zugleich über sie hinauswiesen.
Die differenzierte Analyse chinesischer Menschenrechtspolitik wies schliesslich auf den offensichtlichen Widerspruch hin zwischen der offiziellen Anerkennung der Menschenrechte, die in ihrer Erhebung zu Verfassungsrang besondere Sichtbarkeit erlangt hatten, und der harschen Wirklichkeit, die sie weitgehend unterdrückte. Die chinesische Diskussion um Menschenwürde und Menschenrechte wurde von Xi Jinpings Regierungsdevise bestimmt, die den von ihm propagierten chinesischen Traum einer Wiederbelebung und Verjüngung der chinesischen Nation als Alternative zum westlich-liberalen Menschenrechtsmodell zu verwirklichen suchte. Seine zunehmende Attraktivität unter tendenziell autoritären Staaten und die schleichende Erosion zentraler Elemente einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaftsordnung in Kernländern der Demokratie stellten die Frage nach der Widerstandsfähigkeit und Unantastbarkeit der Menschenwürde nur umso dringlicher.
Über die Ladanyi-Vorlesung
Der Zyklus der Ladanyi-Vorlesungen knüpft an das Lebenswerk des ungarischen Jesuiten Laszlo Ladanyi SJ (1914-1990) an, der mit seiner Zeitschrift «China News Analysis» der Wahrheit von Nachrichten über China auf den Grund gegangen ist. In der Auseinandersetzung mit der Geschichte und Ethik Chinas waren für ihn die Prinzipien der Katholischen Soziallehre von Solidarität, Subsidiarität und Gemeinwohl prägend. Entsprechend eröffnen die Ladanyi-Vorlesungen ein Forum für einen genuinen Dialog mit China und der Umsetzung von ethischen Prinzipien in einem wettbewerbsorientierten und korrupten Markt.
Gast
Prof. Dr. Gerhold K. Becker ist ein deutscher Philosoph. Er lehrte nahezu zwanzig Jahre als Philosophieprofessor an der Hong Kong Baptist University mit Schwerpunkten in Religionsphilosophie und Ethik. Sein Wirken und seine Arbeiten zeichnen sich durch eine interkulturelle Perspektive aus, die insbesondere chinesische und westliche Ethik- und Religionsvorstellungen miteinander ins Gespräch bringt. Er ist Gründungsmitglied des Ladanyi-Vereins und Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste.
Leitung/Moderation
– Prof. Dr. Stephan Rothlin, SJ, Programm-Direktor Angewandte Ethik & KI am Weltethos Institut der Peking Universität, Gründer & CEO von Rothlin International CSR Management und Spiritus Rector des Ladanyi-Vereins
– Dr. Dana Sindermann, Leiterin des Fachbereichs Wirtschafts- und Sozialethik, Paulus Akademie
Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Ladanyi-Verein
Ladanyi-Vorlesung von Gerhold K. Becker
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Kunst und Stille
Pieter Bruegel d. Ä., Großer Turmbau zu Babel, 1563
Kunsthistorisches Museum Wien
In den halbstündigen Auszeiten über Mittag in unserem Raum der Stille steht jeweils ein Kunstwerk im Zentrum. Es lädt zur äusseren und inneren Betrachtung ein.
Die Kunsthistorikerin Marietta Rohner gibt dazu Impulse, welche Sinnlichkeit mit Sinn verbinden und in der Stille nachklingen.
Ich höre die Stille
und öffne mich dem Bild
den Farben
den Formen
der Sinnlichkeit
dem Sinn
Leitung
Marietta Rohner, Kunsthistorikerin mit CAS in Spiritual Care
Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Lukasgesellschaft für Kunst und Kirche.
Digitalisierung und Nahbeziehungen
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Die Digitalisierung ist auch an zwischenmenschlichen Verbindungen nicht spurlos vorbeigegangen: Online-Partnerschaftsbörsen, Beziehungsabbrüche per WhatsApp, oder intime Begegnungen mittels Fingerwisch sind einige Beispiele, wie sich unsere Kommunikation durch technische Neuerungen verändert hat. Mit KI-gestützten Sprachmodellen folgt nun die nächste Revolution: Diese agieren zunehmend als empathische «best friends» – stets verfügbar und scheinbar verständnisvoll. Kann echte Vertrautheit durch ein virtuelles Gegenüber entstehen? Oder bleibt die menschliche Beziehung mit all ihrer Tiefe und Unvollkommenheit letztlich unersetzbar?
Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Pfarrei St. Josef Zürich
Gäste
– Patricia Bernet, Primarschulpräsidentin Uster, Initiantin von «Go offline»
– Dr. Carli Ochs, Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung, Universität Zürich
Leitung/Moderation
– Gian Rudin, Seelsorger, Pfarrei St. Josef, Zürich
– Sebastian Muders, Leiter Fachbereich Umwelt- und Gesundheitsethik, Paulus Akademie
Präsentationen
– Präsentation Patricia Bernet (PDF)
– Präsentation Carli Ochs (PDF)
Ingeborg Bachmann 1926 | 1973 | 2026
Foto: Heinz Bachmann
Ingeborg Bachmann wird als «Diva der Dichtkunst» bezeichnet und als «Ikone» verehrt. Es ist an der Zeit, solche Festlegungen zu vergessen und eine Neu-Entdeckung Bachmanns zu wagen! Ihr Werk steckt voller Widersprüche, Rätsel und Bezüge und verschliesst sich einem eindimensionalen Lesen. Es ist ein widerspenstiges Werk. Und auch die Dichterin selbst trägt entschiedene Züge von Widerspenstigkeit in sich. Anlässlich des 100. Geburtstags der Schriftstellerin erkundete Ingeborg Gleichauf in ihrem Essay diese spezifische Bachmann’sche Widerspenstigkeit. Im Gang durch Bachmanns Werk wie auch durch ihre Briefwechsel, die in den letzten Jahren nach und nach erschienen sind, lässt sich eine Dichterin entdecken, die immer wieder irritiert und überrascht.
Dr. Ingeborg Gleichauf, freie Autorin
Leitung/Moderation
Dr. Caroline Krüger, Leiterin Fachbereich Diversität und Teilhabe, Paulus Akademie
Flyer
260625_Ingeborg Bachmann
Witiker Gespräche über Sicherheit
Bild: iStock
Regina Ammicht Quinn war die erste, die sich mit Fragen der Sicherheitsethik systematisch befasste. Die Notwendigkeit einer Sicherheitsethik entstand aus der Tatsache, dass «Sicherheit» in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen zu einem Leitmotiv geworden ist. Dieses Leitmotiv nimmt im persönlichen wie auch dem gesellschaftlichen Leben mittlerweile die Form eines grundlegenden Werts an. Welche Folgen und Implikationen haben unterschiedliche Verständnisse von Sicherheit? Wie ist das Zusammenspiel von Kontexten und Sicherheitsbegriffen gestaltet? Wie sind Formen der politischen, gesellschaftlichen, persönlichen und technologischen Herstellung von Sicherheit zu verstehen und zu bewerten? Welche Menschen profitieren in welcher Weise von welcher Form von Sicherheit, und welche werden eingeschränkt oder sogar beschädigt? – Dies sind nur einige wenige Fragen im Kontext einer Sicherheitsethik.
Gast
Prof. Dr. Regina Ammicht Quinn, Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften der Universität Tübingen
Leitung und Moderation
Christine Stark, Pfarrerin Reformierte Kirche Zürich Witikon
Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Seelsorgeraum St. Anton–Maria Krönung und der Reformierten Kirchgemeinde Zürich Witikon
Flyer
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Referat
Prof. Dr. Regina Ammicht Quinn
Christoph Keller: Nennt mich Wellenkamm
Bild: zVg
«Nennt mich Wellenkamm» von Christoph Keller ist ein Zukunftsroman über das Wünschbare, das Machbare und über die verändernde Kraft des Erzählens. Die erfolgsverwöhnte Influencerin Amiy fällt vor einem geplanten Fotoshooting an Bord eines Kreuzfahrtschiffs leicht angetrunken in den Ozean. In höchster Not wird die Schiffbrüchige von einem Segelboot gerettet, auf dem sich sieben Reisende Geschichten aus der Zukunft erzählen. Amiy verwandelt sich in «Wellenkamm» und taucht ab in eine Welt, die den Klimakollaps im letzten Moment abgewendet und sich neu erfunden hat.
Nach einem moderierten Gespräch mit Lesung von Christoph Keller luden wir zum gemeinsamen Austausch ein.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Rotpunktverlag.
Gast
Christoph Keller, freischaffender Autor, Reporter und Podcaster
Leitung/Moderation
Sebastian Muders, Leiter Fachbereich Umwelt- und Gesundheitsethik, Paulus Akademie
Witiker Gespräche über Sicherheit
Bild: iStock
Udo Rauchfleisch beschreibt Sicherheit als das wichtigste Merkmal für alle Menschen – unabhängig von Kultur oder Herkunft. Er verknüpft Sicherheit zum einen eng mit der psychischen Entwicklung: Nur wer Sicherheit erfährt, kann die Gegenwart aktiv gestalten; fehlende Sicherheit in der Kindheit hingegen – etwa durch Verlust- und Mangelerfahrungen – führt zu massiven psychischen Störungen. Zum anderen stellt er fest, dass der Mangel an Sicherheit eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Gewalt spielt: Ein Mensch, der keine grundlegende Sicherheit und emotionale Zuwendung erfahren hat, entwickelt oft Gewalt als Bewältigungsmechanismus für diese inneren Defizite. Schliesslich führt ein Mangel an sozialer Sicherheit zu chronischer Einsamkeit. Demgegenüber entsteht Sicherheit durch Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Herausforderungen zu bewältigen – auch wenn keine äusseren Lösungen bereitstehen.
Gast
Udo Rauchfleisch, Psychologe und Psychotherapeut
Referat Prof. Dr. Udo Rauchfleisch
260617_Sicherheit als elementares Grundbedürfnis_Udo Rauchfleisch
Leitung und Moderation
Wojciech Kaszczyc, Pfarrer Seelsorgeraum St. Anton und Maria Krönung
Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Seelsorgeraum St. Anton–Maria Krönung und der Reformierten Kirchgemeinde Zürich Witikon
Nächste Veranstaltung
24. Juni 2026, 19.30 bis 21.00 Uhr
Endlosschlaufe Armut?
Bild: zVg
Möchtest du dich gemeinsam mit anderen mit dem Thema Armut auseinandersetzen? Interessiert dich, welchen Herausforderungen und Vorurteilen Armutsbetroffene begegnen? Willst du dich engagieren und konkret etwas gegen soziale Ausgrenzung tun?
Auf unserer Dialog-Veranstaltung tauschten sich Menschen mit und ohne Armutserfahrung gleichberechtigt aus. So gewonnen die Teilnehmende einen neuen Blick auf ein hochaktuelles Thema, das viele Menschen betrifft. Die Teilnehmenden standen für den Zusammenhalt ein und setzten ein Zeichen für Respekt und Menschenwürde.
Die Veranstaltung basierte auf den Erkenntnissen des Forschungsberichts «Beziehungen zwischen Institutionen, der Gesellschaft und Menschen in Armut in der Schweiz: eine Gewalterfahrung die weitergeht». (ATD Vierte Welt, 2023). Der Bericht kann hier heruntergeladen werden.
Moderation
– Annelise Oeschger, Dialogteam, ATD Vierte Welt Schweiz
– Bernhard Jurman, Leiter Abteilung Beratung, Caritas Zürich
– Dana Sindermann, Leiterin Fachbereich Wirtschafts- und Sozialethik, Paulus Akademie
Eine Veranstaltung in Kooperation mit ATD Vierte Welt , Caritas Zürich und mit freundlicher Unterstützung von Migros Kulturprozent
Kunst und Stille
Pieter Bruegel d. Ä., Großer Turmbau zu Babel, 1563
Kunsthistorisches Museum Wien
In den halbstündigen Auszeiten über Mittag in unserem Raum der Stille steht jeweils ein Kunstwerk im Zentrum. Es lädt zur äusseren und inneren Betrachtung ein.
Die Kunsthistorikerin Marietta Rohner gibt dazu Impulse, welche Sinnlichkeit mit Sinn verbinden und in der Stille nachklingen.
Ich höre die Stille
und öffne mich dem Bild
den Farben
den Formen
der Sinnlichkeit
dem Sinn
Leitung
Marietta Rohner, Kunsthistorikerin mit CAS in Spiritual Care
Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Lukasgesellschaft für Kunst und Kirche.
Nächstes Datum
7.7.2026, 12.30 bis 13.00 Uhr
Die Auszeit kann ohne Anmeldung besucht werden.
Witiker Gespräche über Sicherheit
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Georg Häsler analysiert die sicherheitspolitische Lage der Schweiz in einer von roher Machtpolitik geprägten Welt. Er zeigt, wie die aktuellen Bedrohungen die Handlungsfähigkeit des globalisierten Kleinstaats einschränken. Als gefährlichstes Szenario für die Schweiz beschreibt er einen Zerfall der europäischen Ordnung, wie sie sich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelt hat. In seiner Analyse verbindet er die geopolitischen Entwicklungen mit der Frage, wie die Schweiz ihre Eigenständigkeit und ihre demokratische Substanz in einer multipolaren Welt wahren kann und welche Anpassungen dafür notwendig sind. Georg Häsler macht deutlich, dass die innere Kohäsion des Landes und die politische Kultur ebenso entscheidend für die Sicherheit sind wie die militärischen Fähigkeiten. Er fordert eine Erneuerung der Neutralität auf der Basis der Uno-Charta und ein sicherheitspolitisches Engagement über die Landesgrenzen hinaus.
Gast
Lukas Mäder, Redaktor Technologie & Geopolitik, NZZ Pro
Zürich, Schweiz
Leitung/Moderation
Csongor Kozma, Direktor Paulus Akademie
Der Eintritt ist gratis; keine Anmeldung erforderlich.
Kollekte zur Deckung der Unkosten. Empfohlen: CHF 10 pro Abend.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Seelsorgeraum St. Anton–Maria Krönung und der Reformierten Kirchgemeinde Zürich Witikon.
Weitere Veranstaltungen am
17. und 24. Juni 2026





